Patronatsfest 2017: Zeitzeugengespräch mit Walter Sylten

Besonderes Interesse fand das Zeitzeugengespräch, in dem Walter Sylten über das Leben und Engagements seines Vaters berichtete: Werner Sylten (Jahrgang 1893) war evangelischer Pfarrer und Pädagoge. Er wurde 1935 als Leiter eines kirchlichen Heimes für junge Frauen aufgrund seiner jüdischen Abstammung und seines großen reformpädagogischen Engagements aus dem Amt gedrängt.

Später übernahm er die Geschäftsführung des Hilfsbüros für „nichtarische“ Christen in Berlin. Er wurde im Februar 1941 festgenommen, in das KZ Dachau verschleppt und im August 1942 in der „Euthanasie“-Mordanstalt Hartheim durch Gas ermordet. Die israelische Gedenkstätte Yad Vashem ehrt Werner Sylten wegen seiner Rettungsaktivitäten als „Gerechten unter den Völkern“.

Walter Sylten (Jahrgang 1930) berichte auch vom tragischen Schicksal seiner Mutter, die sich 1935 aus Verzweiflung über die Verhältnisse im National-sozialismus das Leben nahm.

Nach dem Krieg geriet Walter Sylten selbst mit den damaligen Machthabern in Konflikt: Ihm wurde in der Sowjetischen Besatzungszone, obwohl durch das NS-Regime Vollweise geworden, 1948 der Status als „Opfer des Faschismus“ aberkannt. Der Grund: Er war nicht bereit gewesen, an einer gewaltsamen Behinderung der in Ostberlin tagenden frei gewählten Berliner Stadtverordnetenversammlung mitzuwirken. Walter Sylten ging in den Westen und studierte an der Freien Universität Berlin. Er war später ein enger Mitarbeiter des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Heinrich Albertz und Verwaltungschef im Rathaus Zehlendorf. Jahrzehntelang setzte er sich für eine kritische Aufarbeitung der Geschichte und für die christlich-jüdischen und die deutsch-israelischen Beziehungen ein.

Sein großes Engagement reicht bis in die Gegenwart. Die zahlreichen Zuhörer in unserer Aula waren beeindruckt, wie kraftvoll und fesselnd Herr Sylten trotz seines hohen Alters referierte und alle Fragen beantwortete.