„Brücken statt Mauern“ – Patronatsfest mit den Zeitzeugen Ulrike Poppe, Michael Bartoszek und Thomas Brose

Edith Steins Einsatz für den Frieden – darum ging es in den Texten im Gottesdienst, der am Beginn des diesjährigen Patronatsfestes stand. Die schrecklichen Folgen des Krieges hatte Edith Stein während ihres Dienstes in einem Lazarett 1915 hautnah miterleben müssen. Ihr späteres Werk war davon geprägt.

Vorbereitet und gestaltet wurde der Gottesdienst von den Schülerinnen und Schülern der Klasse FOS 12b zusammen mit ihrer Lehrerin, Frau Prof. Dr. Chylewska-Tölle. Für den musikalischen Rahmen sorgten angehende Sozialassistentinnen und Sozialassistenten gemeinsam mit Studierenden der Fachschule. Worauf es beim Einsatz für eine menschliche Welt ankommt, brachte Pater Ryszard Krupa SCJ dann in seiner Predigt auf den Punkt: „Einer trage des anderen Last“, ein Appell auch für eine solidarische Schulgemeinschaft, in der keiner zurück gelassen wird.

Beim anschließenden „get-together-Buffet“ konnten sich dann alle an den mitgebrachten Speisen – lauter Leckereien – stärken und miteinander ins Gespräch kommen.

„Brücken statt Mauern“: Der rote Faden des Tages wurde dann in einem spannenden von Schulleiter Matthias Rösch und Prof. Dr. Bernward Dörner moderierten Zeitzeugengespräch wieder aufgenommen. Ulrike Poppe, Dr. Michael Bartoszek und Prof. Dr. Thomas Brose berichteten über die Friedliche Revolution und den Mauerfall vor 30 Jahren. Ulrike Poppe, sicherlich eine der bekanntesten Bürgerrechtlerinnen in der damaligen DDR, schilderte die Anfänge ihres Engagements: die Gründung des Netzwerkes „Frauen für den Frieden“ und die Gründung des ersten unabhängigen Kinderladens in der DDR, was zu rigorosen staatlichen Gegenmaßnahmen und schließlich sogar zur Inhaftierung im Stasi-Knast führte. Michael Bartoszek kam über sein Engagement bei der Aktion Sühnezeichen, die deutsch-polnische Versöhnungsarbeit, zur Oppositionsbewegung in der DDR und war einer der Autoren der Radix-Blätter, der wichtigsten Untergrundzeitschrift.

Im Herbst 1989 gehörte er zusammen mit Ulrike Poppe zu den Mitbegründern der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“. Thomas Brose, Theologe und Professor für Philosophie, war in der katholischen Studentengemeinde aktiv und aufgrund seiner oppositionellen Aktivitäten im Visier der Stasi. Katholische und evangelische Studentengemeinden spielten – so Brose – eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Bürgerrechtsbewegungen in der DDR, boten sie doch Raum für Diskussionen um Freiheit und Menschenrechte – allen gegenteiligen Bestrebungen der Staatsmacht zum Trotz.

Die Zeitzeugen hatten viel zu berichten und so blieb nur wenig Zeit für Fragen aus dem Publikum. Aber diese wurde gut genutzt. Wie die Zeitzeugen die Entwicklung in den Jahren nach dem Mauerfall einschätzten, ob sich ihre Erwartungen und Wünsche erfüllt hätten, wollten die Schüler*innen und Studierenden beispielsweise wissen. Die Antworten waren natürlich differenziert, aber dass mit dem Fall der Mauer 1989 die Freiheit gesiegt hat und eine nachträgliche Verklärung oder Relativierung des Unrechtsregimes der DDR völlig fehl am Platz ist, kam deutlich zum Ausdruck.

Die Friedliche Revolution und 30 Jahre Mauerfall – Geschichte, die auch unsere Gegenwart prägt – wurden für die Schulgemeinschaft lebendig und werden in den nächsten Wochen für weitere Diskussionen sorgen.