Politisches Forum: Als Panzer die Freiheit niederwalzten

Freiheit von staatlicher Unterdrückung ist keine Selbstverständlichkeit. Wer unpolitisch ist und sich alles gefallen lässt, läuft Gefahr in einer unfreien Gesellschaft aufzuwachen. Das waren die Botschaften, die Blanka Mouralova und Wolfram Tschiche den etwa 60 Teilnehmern eines politischen Forums im Lesesaal unserer Schule am 20. März 2018 mit auf den Weg gaben. Mouralova (Politologin, frühere Direktorin des Tschechischen Zentrums in Berlin, Wissenschaftlerin am Prager Institut für Totalitarismusforschung) referierte über die Geschichte des „Prager Frühlings“ in der Tschechoslowakei (CSSR). Sie machte in ihrem Vortrag deutlich, dass die wichtigsten Impulse für einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zunächst von Reformern in der kommunistischen Parteiführung um Alexander Dubcek ausgingen. Die Zensur wurde weitgehend abgeschafft. Das politische Leben blühte auf. Die Reformpolitik der Parteiführung wurde von einer Welle der Sympathie in der Bevölkerung getragen. Doch die Sowjetunion, in deren Machtbereich die CSSR im Kalten Krieg lag, entschloss sich schließlich, am 21. August 1968 (gemeinsam mit Truppen des Warschauer Pakts) in Prag einzumarschieren. Die UdSSR hatte Angst, dass die Prager Bewegung Schule machen und ihren Einflussbereich zerstören könnte.



Wolfram Tschiche (Jahrgang 1950, DDR-Bürgerrechtler, Philosoph, ev. Theologe) protestierte 1968 gegen die Intervention in der CSSR. Er schilderte seinen Zuhören die damaligen Verhältnisse in der DDR. Die SED-Führung hatte in Moskau gegen die Freiheitsbestrebungen intrigiert. Die ostdeutsche Armee (NVA) unterstütze die Intervention, ohne allerdings in die CSSR mit einzumarschieren – die Erinnerung an NS-Deutschlands Intervention in die Tschechoslowakei (1939) war noch zu frisch. Wer an dem Einmarsch offen Kritik übte, wurde vom DDR-Geheimdienst („MfS“, „Stasi“) verfolgt. Die gewaltsame Liquidierung des „Prager Frühlings“ führte zu einer Art Friedhofsruhe in der CSSR, wenn auch Intellektuelle, Bürgerrechtlicher und Künstler („Lichter in der Finsternis“, so Wolfram Tschiche) mutig die Verdunkelung des Öffentlichen Lebens zu durchbrechen suchten. Gruppen wie die „Charta 77“ und Persönlichkeiten wie Vaclaw Havel stehen für diesen Versuch.

Wolfram Tschiche hielt Kontakt mit widerständigen Zirkeln. 1989 war er Mitbegründer des „Neuen Forums“ in der DDR im Vorfeld der „Wende“: Der friedliche Protest der Bürger in der DDR trug dazu bei, dass die Mauer – und damit der „Eiserne Vorhang“ in ganz Europa – überwunden wurde. Entscheidend war dabei jedoch auch, dass die Sowjetunion unter KPdSU-Chef Michail Gorbatschow – anders als 1953 in Ost-Berlin, 1956 in Ungarn und 1968 in Prag – keine Panzer mehr rollen ließ.

Die Teilnehmer des Forums, Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule und Studierende der Fachschule, waren den Referenten (wenige Tag nach dem 170. Jahrestag der Märzrevolution von 1848) sehr dankbar, einen lebendigen Eindruck vom schwierigen Kampf für die Freiheit in Europa vermittelt zu bekommen. Moderiert wurde die von der Bundeszentrale für politische Bildung geförderte Veranstaltung von Prof. Dr. Dörner, der sich als Lehrer an unserem Schulzentrum seit vielen Jahren für die politische Bildung engagiert.