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Patronatsfest zu Ehren von Edith Stein - Besuch der Gedenkstätte Plötzensee

Edith Stein, Namenspatronin unseres Schulzentrums, wurde am 12. Oktober 1891 in Breslau als Tochter jüdischer Eltnern geboren und am 9. August 1942 in Auschwitz ermordet.

Nach dem Abitur 1911 studierte sie Psychologie, Philosophie, Germanistik und Geschichte und promovierte 1916 mit Auszeichnung bei Edmund Husserl in Freiburg, wurde jedoch später nicht zur Habilitation an einer deutschen Universität zugelassen. Sie unterrichtete an verschiedenen Schulen und Universitäten und hielt Vorträge auf pädagogischen Kongressen im In- und Ausland. Vom jüdischen Glauben wandte sich Edith Stein bereits als Jugendliche ab und verstand sich zeitweilig als Atheistin. Die Lektüre der Autobiographie Teresa von Ávilas sollte jedoch einen Wendepunkt in ihrem Leben darstellen; im Jahre 1922 konvertierte sie zum Katholizismus.

1933, dem Jahr der Machtergreifung der Nazis. wurde der Druck auf Menschen jüdischen Glaubens bzw. jüdischer Herkunft so groß, dass Edith Stein ihre Stelle als Lehrerin aufgab und in den Karmel Maria vom Frieden in Köln eintrat. 1938 siedelte sie, gemeinsam mit ihrer Schwester Rosa, in die Niederlande über, in den Karmel von Echt.

1940 wurden die Niederlande von den Deutschen besetzt, die sofort anfingen, die Deportation jüdischer Menschen in die Konzentrationslager vorzubereiten, zunächst im Hintergrund. Ab jedoch 1942 galten die Nürnberger Rassegesetze auch in den Niederlanden und die Jagd auf Jüdinnen und Juden begann. Am Ende gelang es den Nazis, nicht ohne Unterstützung der niederländischen Verwaltung, 75% der holländischen Juden und Jüdinnen zu verhaften und in die Konzentrationslager zu deportieren, wo sie grausam ermordet wurden oder an den unmenschlichen Haftbedingungen elend zugrunde gingen. Von 107.000 Gefangenen überlebten nur 5000.

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Katholische und protestantische Kirchenvertreter wandten sich am 11. Juli an die Besatzungsmacht und verurteilten die Judenverfolgung mit deutlichen Worten. Die Deutschen boten den Kirchen an, dass zumindest alle vor 1941 zum christlichen Glauben konvertierten Menschen jüdischer Herkunft (also auch Edith und Rosa Stein) von Verfolgung verschont blieben, wenn die Pastoren darauf verzichteten, sich offen gegen die Nationalsozialisten zu wenden. Die katholischen (und auch einige protestantische) Kirchenvertreter ließen sich jedoch nicht davon abhalten, von der Kanzel gegen die Verhaftungen und Deportationen jüdischer Mitmenschen zu predigen, darüber hinaus veröffentlichten am 26. Juli vier katholische Bischöfe gemeinsam mit dem Erzbischof Johannes de Jong einen Hirtenbrief gegen die Ausgrenzung, Verfolgung und Deportation der Juden durch die Deutschen. Die Nationalsozialisten reagierten umgehend und mit grausamer Härte: 245 zum Katholizismus konvertierte ehemalige Jüdinnen und Juden, darunter Edith und Rosa Stein, wurden am 2. August verhaftet, am 7. August nach Auschwitz deportiert und zwei Tage später in der Gaskammer ermordet.

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Vor diesem Hintergrund ist es uns ein Anliegen, im Rahmen des Patronatsfests zu Ehren von Edith Stein an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur und ihrer Mordmaschinerie zu erinnern und damit hoffentlich dazu beizutragen, ein solches Grauen nicht wieder auferstehen zu lassen. Nach einem bewegenden Gottesdienst begaben sich einzelne Klassen auf die Suche nach Spuren des Widerstands gegen die Nationalsozialisten nach Berlin-Mitte, andere besuchten das Centrum Judaicum und den jüdischen Friedhof in Weißensee. Sechs Semestergruppen fuhren zur Gedenkstätte Plötzensee, deren Gelände vor 1945 Teil der Strafanstalt Plötzensee war. Hier sind über 2800 Menschen mit dem Fallbeil oder durch den Strang hingerichtet worden, verurteilt von deutschen Gerichten auf Grundlage dessen, was damals als geltendes Recht bezeichnet wurde. Die Justiz hatte sich zur Erfüllungsgehilfin der herrschenden Ideologie machen lassen. Ihr Opfer waren Angehörige von Widerstandsgruppen wie Harro und Libertas Schulze-Boysen oder Arvid Harnack. Auch angebliche Wehrkraftzersetzer haben ihr Leben verloren. So wurde der Hannoveraner Dentist Wilhelm Weber 1943 von einer Patientin denunziert und zum Tode verurteilt, weil er der Meinung war, dass der Krieg nicht gewonnen werden könne und darüber hinaus über die unmenschlichen Zustände in den Konzentrationslagern sprach. Auch kleinere Diebstähle oder die Beteiligung am Schwarzmarkt wurden mit dem Tode bestraft, um die Volksschädlinge und Gewohnheitsverbrecher endgültig zu vernichten.

Schüler*innen und Studierende stellten die Geschichte von 18 Menschen, die in Plötzensee hingerichtet wurden, in kurzen Ansprachen dar, stellvertretend für die unzähligen Opfer der nationalsozialistischen Justizmorde. Im Anschluss an diese bewegende Zeremonie legten der Schulleiter Stephan Gertzen und die Stellvertreterin Ursula Mai einen Kranz zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Justiz nieder.

Wir bedanken uns ausdrücklich bei Prof. Dr. Bernward Dörner für die Organisation sowie bei allen Teilnehmenden für die würdevolle und feierliche Veranstaltung.